Hühnerbändigerin                                    
        
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Tagebuch zum Hühnerclickerkurs Modul 1 vom 08.04.2006 - 12.04.2006

Vor der Reise
Als Vivianes Vorschlag kam, eine Woche an Hühnern zu trainieren, war ich absolut begeistert und teilte es meinen Mitmenschen gleich mit. Die wollten sich wegwerfen vor Lachen und kamen mit Fragen wie: "Clickerst Du sie Eier zu legen oder in den Topf zu hüpfen?" Wenn die letzten Lachtränen abgewischt waren, hab ich die Sache versucht zu erklären und dann wurden sie neugierig, wollten unbedingt Berichte, Fotos und Videos. Ach, jetzt doch?
So enstand schon im Vorfeld die Idee, daraus eine Website zu machen. Für etwas Neues und verrückt Klingendes bin ich doch gerne zu haben ;-)
Mir war das Training mit Hühnern zu dem Zeitpunkt bereits bekannt, sowohl durch persönliche Berichte, als auch durch einige wenige englischsprachige Beiträge aus dem Internet.

Hühner sind ideale Trainingsparter. Sie sind verteufelt schnell, können lange arbeiten und zeigen einem sofort, wenn das Verhalten ab in die falsche Richtung geht (auch wenn man es selbst noch gar nicht gemerkt hat ;-)). Wie sehr das zutrifft konnte ich 5 Tage am eigenen Leibe erfahren ...

Ein paar Tage vor der Abreise kam das Skript für den fünftägigen Kurs an. Er nennt sich Trainermodul 1 (von fünfen) und hat zum Schwerpunkt: Einführung, operante Konditonierung und Timing.
Ähm *hüstel*, kann ich doch, mach ich doch schon lange ... "eigentlich" bin ich eine gute Trainerin. Dachte ich ... vorher ... :-)

Ankunft 07.04.2006
Am Freitag traf ich in dem winzigen Ort Niederscheidweiler in der Eifel ein. Es waren schon Heidrun mit den Labradoren Andor und Linda und Marion mit der Australian Shepherd Hündin Mala und der Flat Coated Retriever Hündin Amy angekommen. Später am Abend stiess noch Rosmarie mit Labradorhündin Suny dazu. Zu guter Letzt am Samstag Morgen Rainer, wie ich ohne Hund. Wir wohnten alle zusammen in einem Ferienhäuschen, jeder hatte ein eigenes Zimmer, und ich sag es schon vorher, Mensch und Hund verstanden sich die ganze Zeit über prächtig.
Mittrainieren sollten noch Vivianes Töchter, Chiara, 7 Jahre, und Delia, 5 Jahre, (Ja, ja, die beiden waren die Besten, aber das gilt ja irgendwie nicht ...). Und nicht zu vergessen die Praktikantin Karina, die sich unter “Praktikum in der Hundeschule” bestimmt etwas anderes vorgestellt hatte ;-)

     

Die Hühner waren ebenfalls schon da und wohnten in einzelnen Käfigen. Untergebracht waren sie im alten Backhaus, ca. 20 Meter Fussweg durch den Garten. Da ich neugieriger Mensch als erste im Hühnerstall war, durfte ich mir “mein” Hühnerpärchen aussuchen. Es gehörten immer ein nicht trainiertes Huhn und ein Huhn, welches schon mal einen Kurs gemacht hatte, zusammen. Die Wahl fiel mir schwer, es handelte sich um verschiedene Zwerghuhnrassen, die alle unterschiedlich aussahen.
Ich entschied mich für Bibi und Puk. Einmal weil ich immer ein braunes Huhn vor Augen hatte, Bibi ist ein Vorwerkhuhn mit der hauptsächlichen Farbe Braun. Und weil Puk, ein Araucanermischling, so aussah wie ein Habicht. Was DAS für ein Vorzeichen war, zeigte sich gegen Ende des Kurses, da nannte ich sie auch schon mal "Satan" ... ;-) Wie stand es im Manuskript “Hühner können FESTE picken!”

      
(So werden die Hühner natürlich nicht gehalten, sondern nur für die Zeit des Kurses untergebracht. Sie stehen auch nicht auf dem Gitter, sondern auf Gummimatten.)

Alle Hühner waren von Viviane vorbereitet. Das heisst, sie waren dran gewöhnt, angefasst zu werden, auf dem Tisch zu bleiben und schon mal auf ein Target gepickt zu haben. Dass sich das im späteren Training nicht alle Hühner haben anmerken lassen, war wohl (wie alles in der Woche ;-)) der Fehler der zuständigen Trainer ...

In der Woche sollte jeden Tag etwa von 10 bis 17 Uhr trainiert werden. Zwischendurch natürlich mit Pausen. Es würde für uns eingekauft und wir würden zwei Mal am Tag bekocht. Dazu kam immer extra Irene her, die ruck-zuck riesige Mengen lecker Essen zauberte.

Hörte es sich nach Urlaub oder eher nach Stress an? Auf jeden Fall konnten wir es alle kaum abwarten, dass das Training am Samstag endlich begann.

1. Tag
Mein Huhn Bibi hat ein Ei gelegt.

Als Erstes sahen wir als Einstimmung den Film "Patient Like The Chipmunks" über die Arbeit von Marian und Keller Breland und Bob Bailey.

Dann ging es zum ersten Mal ab in den Hühnerstall. Wir wurden zu zweit eingeteilt. Wenn jeweils einer mit dem Huhn übte, hatte der andere die Aufgabe zu assistieren. Dazu gehörte, die Uhr zu stellen, die Targets zu legen, verlorenes Futter vom Tisch zu wischen und die ganze Sache zu beobachten und hinterher zu kommentieren. Ich würde in den nächsten 5 Tagen zusammen mit Marion arbeiten. Sie sollte die Hühner Caula und Paddy trainieren.



Zuerst übten wir das schnelle Präsentieren der Futterschüssel ohne Futter. Es gibt drei Arten sie zu halten und dem Huhn zu präsentieren, dazu noch mit beiden Händen, also insgesamt 6 Durchgänge. Die Betonung liegt dabei auf so schnell wie möglich und es wurde uns langsam warm.

Die nächste Übung war das Präsentieren der Futterschüssel MIT Futter. Natürlich genauso schnell und das Futter flog zum Teil weit über den Tisch, was nicht ohne allgemeines Gelächter abging. Dabei hatten wir aber dann schnell den Bogen heraus, im wahrsten Sinne des Wortes. Man muss entgegen der Schwerkraft arbeiten und einen kleinen Bogen ziehen. Merkst Du was? Es war schon hochkompliziert und es war noch keine Rede vom Clicker. Die Hühner sassen auch immer noch in ihren Käfigen und dachten sich wahrscheinlich ihren Teil ...

Jetzt kam der Trainingsschritt für die Fortgeschrittenen: der Einsatz des Clickers kam hinzu. Er war auf dem Stiel der Futterschüssel festgemacht.



Die graue Theorie ist: Im richtigen Moment clicken, blitzschnell mit der Futterschüssel hin, am besten in der Mitte des Tisches und genauso schnell wieder weg aus dem Sichtfeld des Huhns. Während des Clickens noch NICHT bewegen.
Training ist eine handwerkliche Fähigkeit!

Fehlten eigentlich nur noch die Hühner. Dazu gab es erst mal den Ratschlag: "Du bist grösser, schlauer und stärker als ein Huhn! Wenn wenigstens zwei der Dinge zutreffen, ist das schon gut."
Man beachte bitte, dass es nicht heisst "schneller"...
Eine weitere Anweisung an uns Hundetrainer war: "Keine Alpharolle mit den Hühnern!" :-)

Wir machten uns schrittweise mit den Hühnern und dem Handling bekannt. Zuerst Käfigtür auf und das Huhn greifen (wie genau, wurde erklärt). Falls es strampelt, erst wieder loslassen wenn es ruhig ist. Wenn das geht, das Huhn kurz anheben. Dann raus aus dem Käfig und wieder hinein. Dann auf den Tisch und 15 Sekunden aus der Futterschüssel fressen lassen. Dabei die Hände über dem Huhn lassen, falls es wegfliegen will.
Falls es pickt, die Hand auf keinen Fall wegziehen. Einfach auspicken lassen, es tut nicht weh. Falls man die Hand wegzieht, hat es Erfolg und lernt FESTE zu picken.

      

Niemand von uns hatte je vorher ein Huhn angefasst. Sie sind weich und sehr angenehm. Natürlich pickten meine beiden als erstes, als ich die Hand in den Käfig gesteckt hatte. Aber es tat wirklich nicht weh und hörte sofort auf.
Bibi ist ein ruhiges, freundliches Huhn, welches ich von der Grösse her gut greifen konnte.
Puk ist ein bisschen grösser und ein wenig unhandlich. Nach ein paar Übungssessions hab ich sie mir immer unter den Arm geklemmt. Später hat Viviane mir gezeigt, wie ich sie auf meinem Arm transportieren konnte, wie ein Falkner. Das war die beste Lösung. Habicht, hab ich doch gleich gewusst ...



Ein paar der Hühner sind am Anfang immer wieder durch den Raum geflattert und mussten eingefangen werden. Meine zum Glück nicht *schwitz*.

Jetzt waren wir bereit für die erste Aufgabe. Diese lautete, dass das Huhn auf ein Target picken soll. Nicht irgendwo, sondern möglichst die Mitte. Dieses bestand aus einem Papp-Kreis, siehe Foto unten. Marion und ich beschlossen, zuerst das grössere Target zu nehmen und wenn das klappte, auf das kleinere umzusteigen.



Wir arbeiteten abwechselnd. 1. Partner 1. Huhn, 2. Partner 1. Huhn, 1. Partner 2. Huhn und 2. Partner 2. Huhn. Die Trainingszeit waren jeweils 30 Sekunden, dazu wurden Zeitschaltuhren gestellt. Das war für den Trainer und den Assistenten höchste Konzentration. Nach jedem Durchgang machte sich der Trainer schnell Notizen.
Bei manchen Hühnern legten wir ein paarmal Futter auf das Target, um ein Anfangsverhalten zu bekommen.
Es wunderte mich, dass die Hühner recht gelassen wirkten und arbeiten konnten. Im ganzen Raum bewegten sich Menschen, es wurde an drei Tischen gleichzeitig geclickert und Zeitschaltuhren piepten. Dazu stolperte immer mal jemand über Damon, Vivianes Lagotto, der ab und zu mit im Stall war.

Exakt in dem Moment zu clicken, wenn der Schnabel auf dem Target aufkommt, ist an sich eine einfache Anweisung. Aber wenn Du erst clickst, wenn der Schnabel aufkommt, bist Du zu spät. Also musst Du beim Hinuntergehen des Kopfes entscheiden, ob es passt oder nicht. Mit der Zeit lernten wir es einigermassen zu sehen und vorauszusagen. Aber "zu spät" waren wohl die meistgesagten Worte, zumindest am Anfang.

Für den Fall, dass jemand einen Fehler machen SOLLTE gab es an der Wand eine markierte Stelle zum Anschlagen mit dem Kopf. Wohlgemerkt bei unseren Fehlern unseren EIGENEN Kopf ;-)



Nach der Mittagspause ging es so weiter. Dann wurden wir nach unserer Einschätzung gefragt, welches unserer Hühner wohl das schon trainierte und welches das Anfängerhuhn war. Marion und ich lagen bei allen unseren vier Hühnern falsch. Ich hätte auf jeden Fall auf Bibi als schon trainiertes Huhn getippt, aber es war umgekehrt. Im Kurs stellte sich allgemein heraus, dass das Training mit dem Anfängerhuhn schneller voran ging, als mit dem schon trainierten. Die Anfängerhühner sollten Farben unterscheiden lernen und die fortgeschrittenen Hühner Formen unterscheiden.

Bibi machte gute Fortschritte und war das erste Huhn, welches mit der Farbunterscheidung anfangen sollte. Wir bekamen 4 verschiedenfarbige aus Pappe geschnittene Kreise. Ich erklärte Rot zu unserem „heissen Target“, also das, auf das sie trainiert werden sollte.Wir bereiteten uns ab da auf die Prüfung für das Bronzene Ei vor.

Bronzenes Ei

Das Huhn lernt, 4 Farben (oder Formen) zu unterscheiden. Eine Minute lang soll es konstant auf das heisse Target picken. Dabei wird es vom Prüfer mit allen möglichen Methoden in Versuchung geführt, ein anderes Target zu nehmen. Nur wenn es kein einziges Mal auf ein anderes Target pickt, ist die Prüfung bestanden.


Bibi arbeitete schnell sicher an erstmal nur dem roten Kreis. Es klappte gut, auch wenn das Target später verschoben wurde.

Puk machte mir ein bisschen Sorgen. Sie lag aufgeplustert im Käfig und wollte auch nicht mehr so recht arbeiten. Dann machte ich den Fehler, wieder Futter auf das Target zu legen. Ruck-zuck hatte ich ein Huhn, welches aufgeplustert auf dem Tisch lag (nichtmals mehr stand!) und sich mit lecker Körner bedienen liess.
Grosses Gelächter, als mir ein Licht aufging. Puk hatte mich prima trainiert :-)
In der nächsten Sitzung wartete ich einfach ab und hatte schnell wieder ein Huhn, welches konstant arbeitete.
Diese Lektion werde ich niemals vergessen!

Kurz später legte sie ein Ei und sah danach viel besser aus, stand wieder und war lebhaft. Da hatte wohl was gedrückt.
Das Ei war ganz zartblau und zum Erstaunen meines Stadtmenschendaseins (und allgemeiner Belustigung) natürlich ganz warm.

Danach begannen wir mit den täglichen Menschenclickerspielen, die immer dann, wenn die Hühner ein wenig Erholung von uns brauchten, eingeschoben wurden. Es wurde paarweise wechselnd gearbeitet. Die Hälfte der Menschen ging hinaus und die Anwesenden bekamen eine Aufgabe, die mit Hilfe des Clickers vom jeweiligen Trainingspartner gelöst werden musste.
Zum Teil waren völlig abstruse Dinge und es erstaunt mich noch heute, dass es fast immer von jedem in annehmbarer Zeit gelöst wurde. Ich werde sie hier nicht verraten, sonst muss sich Viviane ständig etwas komplett Neues ausdenken. Aber ich hab sie alle notiert und werde bestimmt mal einige Mitmenschen damit quälen ;-)
Wir hatten dabei auf jeden Fall einen Heidenspass und merkten direkt, wie wir immer besser wurden.

Am Ende des Tages waren wir alle erschöpft und unkonzentriert. Wir versorgten die Hühner noch mit Wasser und Salat und besprachen den Stand der Dinge.
Bibi war beim roten Target und Puk noch beim grossen Anfangstarget. Erstaunlich war die Feststellung, wie schnell Hühner ihr Verhalten ändern.
Chiara, Vivianes 7jährige Tochter, hatte mit ihrem Huhn schon das bronzene Ei bestanden.



Marion und ich waren einer Meinung, dass wir uns am nächsten Tag vor jeder Session kurz absprechen, wo steht das Huhn, was will ich erreichen und was erwarte ich vom Assistenten.
Ab sofort werden Entscheidungen getroffen und kein Schritt mehr zurück gemacht!

2. Tag
Alle sind mit Schulter- und Nackenverspannungen aufgestanden. Hühner stemmen und die schnellen Bewegungen mit der Futterschüssel waren eben doch ungewohnt.
Die Hühner haben beim ersten Handkontakt des Morgens wieder leicht gepickt.

Puk wurde auf das kleine Target umgestellt, dann auf die erste Form, ein Viereck.



Bibi arbeitete sich schnell auf alle vier Farben weiter. Ab da an war die Trainingssession 1 Minute lang.



Ein zweites Target wird hinzugefügt, wenn das heisse Target verfolgt und konstant gepickt wird. Beim zweiten Target wird es dem Huhn leicht gemacht, indem das heisse Target zunächst näher am Huhn liegt. Beide Targets werden vom Assistenten bewegt. Das heisse Target darf nie "immer das Rechte" oder "immer das Hintere" oder "immer das zuletzt Bewegte" sein. Man darf also kein Muster beim Tauschen und Bewegen aufkommen lassen.
Wenn das Huhn das falsche Target pickt, wird das heisse Target so lange weggenommen, bis es ausgepickt hat. Sprich, aufhört, das Falsche zu nehmen und deutlich innehält. Die Möglichkeit einer Bestärkung wird genommen, also eine milde Form der Bestrafung. Dass das heisse Target dann zurück kommt, kann als Bestärkung des Aufhörens gesehen werden. Wenn die Zeit zwischen dem "falschen Handeln“"und dem Wiederkommen des heissen Targets nicht lang genug ist, wird das "falsche Handeln" dadurch bestärkt.
Diese Lektion hab ich ebenfalls gründlich gelernt. Mit Puk hab ich es so lange falsch gemacht (nicht sofort weggenommen, Wartezeit zu kurz), dass ich fast verzweifelt wäre ...

In der letzten Sitzung vor dem Mittag versuchten Bibi und ich das erste Mal das Bronzene Ei. Alle schauten gebannt zu und 20 Sekunden vor Schluss pickte sie doch das gelbe Target. Durchgefallen ...
Später sah ich, dass fast jeder Teilnehmer beim ersten Versuch durchgefallen ist.
Beim zweiten Versuch haben wir bestanden. Dass eine Minute so lang sein kann ...

Insgesamte Trainingszeit an den Farben waren 13 Minuten. Das hört sich doch erstaunlich an: Ich kann einem Huhn in 13 Minuten die sichere Unterscheidung von 4 Farben beibringen!
Boah, was werden unsere Hunde noch alles lernen können ...

Im Laufe des Tages hatten fast alle ihre erste Prüfung bestanden. Bemerkenswerter Weise mit dem Anfängerhuhn und der Farbunterscheidung. Mit dem fortgeschrittenen Huhn und der Formenunterscheidung ging es bei allen langsamer voran.

Paddy, das fortgeschrittene Huhn meiner Trainingspartnerin Marion, pickte immer wieder neben das Target. Wenn das geclickt wurde, machte sie genau das Gleiche nochmal. Pickte also wieder daneben EXAKT auf die gleiche Stelle. Beim Hühnertraining folgt die Strafe eben auf dem Fusse. Dazu hatte dieses Huhn Kopffedern wie eine schicke Föhnfrisur, so dass man recht schlecht sehen konnte, was es eigentlich tat. So hatte jeder mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen.
Du bekommst, was Du clickst!



Puk legte ich ein Dreieck zum Quadrat, dem heissen Target. Das funktionierte noch sehr gut. Als das Sechseck hinzu kam, brach alles zusammen. Sie schoss sich total auf diese Form ein und ich war einfach zu unentschlossen in meinem Handeln, das Quadrat sofort wegzunehmen.
Ändere Dein Verhalten um das Verhalten des Tieres zu ändern!
Zu spät! ... Zu spät! ... Zu spät!


      

Gruppenfoto mit Hühnern draussen vor dem Stall. Ich hatte ziemlich Angst, dass mir Bibi wegflattert und klemmte sie fest unter den Arm. Alle Hühner wurden aber ohne Zwischenfälle wieder mit hineingebracht.

Bei Bibi begann nun meine Herausforderung des Tages, das Training für das Silberne Ei.

Silbernes Ei

Das heisse Target, auf das das Huhn trainiert wurde, wird weggenommen und das Huhn darf 20 Sekunden lang nichts tun. Auf keinen Fall auf ein anderes Target picken, welches von der Prüferin mit allen Mitteln (ausser Futter) schmackhaft gemacht wird.

Das Verhalten ist 20 Sekunden unter Signalkontrolle.


Trainiert wird es so, das das Huhn einmal picken darf, click, während des Fütterns wird das Target entfernt (So dass das Huhn es nicht so mitbekommt, vorher war es ja eine Form der Strafe für einen Fehler.) Wenn das Huhn ruhig steht, wird das Target wieder hingeworfen. Wenn es pickt, click und füttern, dabei wieder wegnehmen usw. Die Zeitspanne, in der das Target verschwunden ist, wird verlängert und auch die Ablenkung durch die drei verbliebenen Targets auf dem Tisch.
Soweit die Theorie. Der Ablauf war mir völlig klar. Nur meine Muskeln gehorchten nicht meinen Gedanken. Ich brachte rettungslos alles durcheinander. Eine Koordination war mir an diesem Tag absolut nicht mehr möglich, obwohl ich mich anstrengte.
Training ist eine handwerkliche Fähigkeit!
Dazu war meine Konzentration etwa eine Stunde vor Trainingsende auf dem Nullpunkt. Am liebsten hätte ich alles hingeworfen und aufgehört und war froh, dass die Quälerei an diesem Tag ein Ende hatte.

3. Tag
Der Morgen fing so an, wie der Abend aufgehört hatte ...
Langsam bekam dann ich meine Koordination beim Training mit Bibi auf die Reihe. Und sie hatte es immer sehr eilig aus dem Käfig zu kommen.

Dafür ging mit Puk gar nichts mehr. Ich hatte sie so oft fürs Danebenpicken bestätigt, dass ich wieder auf 1 Target zurückgehen musste und dieses noch hilfsweise mit einem schwarzen Punkt in der Mitte versehen hatte. Wir beide hatten einen harten Tag zusammen, erst nachmittags pickte sie wieder halbwegs auf die Mitte des einen Targets.
Du bekommst, was Du clickst!

Alle hatten mittlerweile sogar ihr Goldenes Ei bestanden, nur ich hampelte immer noch beim Silbernen herum.
Frust!

4. Tag
Zum Frühstück aß ich Puks Ei und fühlte mich gestärkt, Heute morgen wollte ich es wagen und meldete mich mit Bibi zum Silbernen Ei an.
Und Viviane hat wirklich alles getan, um sie in Versuchung zu führen. Wedelte mit den falschen Targets vor ihr herum, warf sie ihr vor die Füsse und tippte auffordernd mit ihrem Finger drauf. Bibi ignorierte es völlig. Geschafft! Ha, das nennt man Signalkontrolle! Jetzt war ich wieder obenauf :-)

 

Sie stand allerdings recht unruhig da. Das Verhalten wollte ich eigentlich noch wegbekommen, deshalb hatten wir am Tag vorher so lange trainiert. Nun stellte sich heraus, dass ich daran noch sehr lange hätte arbeiten können. Niemand hatte mir gesagt (und ich hab es als Letzte bemerkt), dass ICH mich viel zu viel bewegte und deshalb sich wahrscheinlich das ganze Huhn mitbewegt. Chicken Dancing :-)
Ändere Dein Verhalten um das Verhalten des Tieres zu ändern!

Am liebsten hätte ich Bibi als Belohnung eine ganze Hand voll unseres neuen Dopingmittels, geschnittene Gurke, gegeben. Auf Loben, Drücken und Knuddeln stehen Hühner nun mal nicht.
Aber jetzt stand direkt die Prüfung zum Goldenen Ei bevor, für die man unbedingt ein hungriges Huhn braucht.
Dafür gibt es nur einen Durchgang, live und mit allen Teilnehmern als Zuschauer, den man vorher nicht üben kann.

Goldenes Ei

Das Huhn wird von einem Target auf ein anderes umgestellt. Das Ganze in einem Durchgang, es ist vorbei wenn es geschafft ist oder wird abgebrochen wenn das Huhn vorher satt ist und nicht mehr arbeitet.

Die vier Targets werden in eine Reihe gelegt. Das alte heisse Target links aussen und das neue heisse Target rechts aussen. Ziel ist, dass das Huhn stabil und fehlerfrei das neue Target pickt, wenn es einmal in der ganzen Reihe durchgetauscht wird.


Ich fand, die Aufgabe hörte sich ganz schrecklich und kaum zu bewältigen an. Ich hatte doch nun DREI Tage das Huhn darauf trainiert, dass es steif und fest ein bestimmtes Target pickt und alle anderen eisern ignoriert. Und "mal was probieren" ging auch nicht, es musste entschieden und unter Zeitdruck so lange gearbeitet werden, wie es nunmal dauerte.
Aber alle Bedenken halfen nichts, es musste einfach GEMACHT werden, mit einem groben Vorgehensplan im Hinterkopf.

Das Huhn darf noch zweimal aufs alte Target picken. Dann bestärkt man es fürs Nicht-Picken und versucht, es immer weiter über den neuen Target zu füttern. Dort soll es stabil stehen, dann formt man den Kopf herunter, bis es das erste Mal auf das neue Target pickt. Jedes Picken bestärken, dann wird langsam angefangen, die Farben zu tauschen und geschaut, ob das Huhn dem neuen Target folgt.
So der Plan. In der Ausführung ist es ein schier endloses Hin und Her. Sehr oft läuft das Huhn noch wieder ganz zurück zu seinem alten Target. Bei jedem Fehlpick beim abschliessenden Tauschen der Targets durch die Reihe, musste wieder von vorn begonnen werden.
Dadurch das ich das bei den anderen nun schon gesehen hatte, war ich mir sicher, es würde funktionieren. Trotzdem war es wirklich eine totale Herausforderung. Alleine schon das sehr schnelle Clicken und Füttern fürs Nicht-aufs-alte-Target-picken ging ganz schön in den Futter/Clicker-Arm. Dann musste idealerweise jede Abwendung vom alten Target und Hinwendung zum neuen Target erwischt werden. Den Kopf herunter zu formen ist ebenfalls ein Ding für sich.
Na ja, wir haben es geschafft in einer Zeit von 10 Minuten. Im Kurs gab es die Zeitspanne zwischen 4 und über 20 Minuten.

Mit Puk arbeitete ich nun schon wieder an zwei Formen und das Ganze schien jetzt gut zu funktionieren. Nun hatte sie es sich allerdings zum Hobby gemacht, nach mir zu picken. Feste zu picken! Obwohl ich einen Pullover und eine Jacke anhatte, tat es weh.
Ich hatte nie zurückgezuckt, trotzdem tat sie es. Wenn ich meinen Arm in den Käfig streckte bekam ich in der Regel 4 feste Picker ab. Wenn sie erstmal wie ein Raubvogel auf dem Arm thronte, war sie friedlich, ebenso auf dem Tisch oder beim Wiederhineintun in den Käfig. Das Verhalten hielt bis zum Ende des Kurses an.

      

Langsam roch ich wie ein Huhn. Die Leute im Zug auf der Rückfahrt würden sich wundern :-)
Nachmittags begann ich mit Bibi das Ziehen an einem Gummiband. Das Huhn soll ziehen und dabei rückwärts gehen. Mein Problem war, dass ich nicht wusste, wie das Huhn sich dabei bewegte und ich nicht sicher war, welche Ansätze ich bestärken sollte. Ich hatte eben noch nie ein kräftig an einem Gummiband ziehendes, rückwärts laufendes Huhn gesehen ;-)
Zuerst wurde das Picken nach dem Gummiband bestärkt, dann immer festere Züge. Danach ging das Huhn in eine Aufwärtsbewegung. Ab da sollten wir das Augenmerk auf eine Rückwärtsbewegung legen. Natürlich darf man nicht clicken, wenn das Huhn das Band schon losgelassen hat. Hat schon mal jemand gesehen, wie schnell ein Huhn etwas loslässt?
Zu spät! ... Zu spät! ... Zu spät!

      


Es ging gut voran und meine Trainingspartnerin Marion arbeitete mit ihrer Caula ebenfalls an dieser Aufgabe.

      

Puk war wieder auf vier Targets fortgeschritten.
Marions zweites Huhn, Paddy, trainierte an zwei Targets und hat das Drehen auf der Stelle begonnen. Nein, kein neuer Trick, das sollte es genau nicht.
Chiara arbeitet mit ihrem Huhn daran, ein kurzes Stück zu fliegen.



5. Tag
Am letzten Tag arbeitete ich mit Bibi weiterhin am Gummiband und es ging mal mehr und mal weniger voran.

Mit Puk hab ich die Aufgabe des Bronzenen Ei leider nicht mehr geschafft, aber wir waren nah dran. Der Grundfehler in der Sache war wohl, dass ich sie nicht lange genug habe auspicken lassen, sprich das heisse Target bei einem Fehler lange genug weggelassen habe.
Ich denke, manchmal wollte ich sie vor einem Fehler bewaren, indem ich es zu schnell wieder hingelegt hatte. Der Effekt war der Gegenteilige, so konnte sie es nur schwer lernen. Na ja, aber ich hatte was gelernt ;-)
Ändere Dein Verhalten um das Verhalten des Tieres zu ändern!



Etwa drei Mal lief Puk mit dem Target im Schnabel auf dem Tisch herum (was natürlich auch nicht sein sollte). Da sie mich immer noch pickte, hatte ich nun ein "apportierendes Schutzhuhn" :-)

Marion trainierte an diesem Tag anstatt mit der "sich drehenden Paddy" mit der von Rainer verschmähten "dicken Daisy". Ein Riesenhuhn mit Riesenappetit. Marion konnte sie nicht tragen und so musste Daisy immer zu Fuss auf den Tisch marschieren. Wenn sie pickte, wackelte alles und ich hatte Bedenken, dass sie während ich ihre Targets tauschte (sie arbeitet an den Formen) meine Finger erwischte.

      

Heidrun hatte noch die Gelegenheit, mit einem ihrer Hühner das Ballspiel zu trainieren. Ein Tischtennisball war an einer Apparatur aufgehängt und das Huhn sollte so feste davor picken, dass der Ball einmal herumschlägt.

      

Um 15 Uhr dann die feierliche Übergabe der Urkunden und Schokoeier in der entsprechenden Anzahl der bestandenen Prüfungen. Dazu noch für jeden ein Gruppenfoto mit schönem "Hühnerrahmen" und der Unterschrift aller Teilnehmer. Ich hab es nun vor mir an der Wand, bin aber sicher, ich hätte diese ganze Woche auch so niemals vergessen.



Dann haben wir die Hühner in den Hänger verladen und voneinander herzlichen Abschied genommen. Ich bin noch mit Viviane auf ihren Hof gefahren und hab gesehen, wie die Hühner in ihrer "Freizeit" wohnen. In einem schönen grossen Stall laufen sie munter durcheinander und können tun und lassen was sie wollen.
Nein, die zweithäufigst gestellte Frage, sie kommen nicht in den Topf, sondern sind wichtige Trainingspartner und dürfen so alt werden, wie sie eben werden.



Puk und Bibi, haltet die Federn gerade. Ich komme auf jeden Fall nächstes Jahr wieder um Euch weiter zu verwirren! :-)

Nach der Reise
Das Ziel des Kurses ist auf jeden Fall erreicht:
Mein Timing hat sich enorm verbessert und meine handwerkliche Fähigkeit im Hinblick auf Schnelligkeit und Präzision hat zugenommen. Ebenso ist meine Beobachtungsfähigkeitet geschult worden, Verhalten kann ich besser vorausahnen.
Dazu hat noch meine Konzentrationsfähigkeit zugenommen.

Ich habe mir vorgenommen in Zukunft:
Keine Variationen eines Verhaltens zulassen.
Entscheidungen schnell zu treffen.
Es dem Tier leicht zu machen, aber "Helfen" sein zu lassen.
Nicht aufzugeben, mir selbst zu vertrauen!

Nebenbei hab ich noch gelernt:
Wie schnell ein Verhalten geändert werden kann.
Wann die "rote Lampe" angehen muss, um den eigenen Plan zu überdenken.
Situationen, die bestärken, zu erkennen.
Eine Bestärkungsmöglichkeit zu nehmen, um das Verhalten gründlich zu löschen.
Wie ein Huhn mich dazu bringt, ihm Futter für Nichts zu geben.

Training muss man MACHEN. Deshalb nützt es auch einem zukünftigen Kursteilnehmer nichts, wenn er das hier alles liest. Üben muss er selbst und seine Fehler machen ebenfalls :-)

Hunde sind langsam ...
Ich habe nach dem Kurs mit Eddie rückwärts laufen trainiert, ein für ihn neues Verhalten. Er schaute erstaunt, dass offensichtlich seine Füsse auf dem Boden clickten, als wenn sie in Stepschuhen steckten.
Dabei hab ich noch ein Butterbrot gegessen und telefoniert *gähn*. Nein, ein Scherz :-)
Aber nach einem Huhn einen Hund zu trainieren ist wirklich viel leichter als vorher.

Viele wollen wissen, was es für die Hühner gebracht hat. Ich weiss es nicht. Sie brauchen das erlernte Verhalten ja nicht, weil sie nun wieder Futter ohne Arbeit bekommen. Vielleicht hatten sie eine amüsante Woche mit uns merkwürdigen Menschen, ich kenne den Humor eines Huhns nicht ;-)

Mich hat nach dem Kurs gewundert, dass alle, denen ich das erzählt habe, erstaunt waren, dass HÜHNER sowas lernen können. Das stand bei mir immer völlig ausser Zweifel. Ich habe absolutes Vertrauen in diese Trainingstechnik und wusste einfach, dass es funktioniert.
Mich erstaunte viel mehr, dass ICH das alles lernen konnte ... ;-)


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